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Sample Translations - German to English
Sample Translations:

Excerpt from: Als der Krieg zu Ende War, by Heinrich Böll (1917-1985) from the anthology: Das deutsch-deutsche Lesebuch, published in 1989

Source Text – Deutsch – 497 words

Target Text – English – 559 words

Es wurde gerade hell, als wir an die deutsche Grenze kamen: links ein breiter Fluß, rechts ein Wald, an dessen Rändern man sogar erkannte, wie tief er war; es wurde still im Waggon; langsam fuhr der Zug über zurechtgeflickte Gleise, an zerschossenen Häusern vorbei, zersplitterten Telegrafenmasten. Der kleine, der neben mir hockte, nahm seine Brille ab und putze sie sorgfältig.

Mein Gott“, flüsterte er mir zu, „hast du die geringste Ahnung, wo wir sind?“

Ja“, sagte ich, „der Fluß, den du eben gesehen hast, heißt bei uns Rhein, der Wald, den du rechts siehst, heißt Reichswald – und jetzt kommt Kleve.“

Bist du von hier?“

Nein.“ Er war mir lästig; die ganze Nacht hindurch hatte er mich mit seiner dünnen Primanerstimme verrückt gemacht, mir erzählt, wie er heimlich Brecht gelesen habe, Tucholsky, Walter Benjamin, auch Proust und Karl Kraus; daß er Soziologie studieren wolle, auch Theologie, und mithelfen würde, Deutschland eine neue Ordnung zu geben, und als wir dann im Morgendämmer in Nijmwegen hielten und irgend jemand sagte, jetzt komme die deutsche Grenze, hätte er ängstlich rundgefragt, ob jemand Garn gegen zwei Zigarettenstummel tausche, und als niemand sich meldete, hatte ich mich erboten, meine Kragenembleme, die – glaube ich – Spiegel genannt wurden, abzureißen und in dunkelgrünes Garn zu verwandeln; ich zog den Rock aus und sah ihm zu, wie er sorgfältig mit einem Stück Blech die Dinger abtrennte, sie dann auseinanderzupfte und dann tatsächlich anfing, sich damit seine Fahnenjunkerlitzen um die Schulterklappen herum anzunähen. Ich fragte ihn, ob ich diese Näharbeit auf den Einfluß von Brecht, Tucholsky, Benjamin oder Karl Kraus zurückführen dürfe oder ob es vielleicht ein uneingestandener Einfluß von Jünger sei, der ihn veranlasse, mit des Däumerlings Waffe seinen Rang wiederherzustellen; er war rot geworden und hatte gesagt, mit Jünger wäre er fertig, habe er abgerechnet; nun, als wir in Kleve einfuhren, unterbrach er seine Näharbeit, hockte neben mir, mit des Däumerlings Waffe in der Hand.

Zu Kleve fällt mir nichts ein“, sagte er, „gar nichts. Dir?“

Ja“, sagte ich, „Lohengrin, Margarinemarke 'Schwan im Blauband' und Anna von Cleve, eine der Frauen Heinrichs des Achten -“

Tatsächlich“, sagte er, „Lohengrin – aber wir aßen zu Hause Sanella. Willst du die Stummel nicht haben?“

Nein“, sagte ich, „nimm sie deinem Vater mit. Ich hoffe er wird dich ohrfeigen, wenn du mit den Litzen auf der Schulter nach Hause kommst.“

Das verstehst du nicht“, sagte er, „Preußen, Kleist, Frankfurt/Oder, Potsdam, Prinz von Homberg, Berlin.“

Nun“, sagte ich, „Kleve war, glaube ich, ziemlich früh schon preußisch – und irgendwo drüben auf der anderen Rheinseite liegt eine kleine Stadt, die Wesel heißt.“

Gott ja“, sagte er, „natürlich, Schill.“

Über den Rhein sind die Preußen nie so recht rübergekommen“, sagte ich, „sie hatten nur zwei Brückenköpfe: Bonn und Koblenz.“

Preußen“, sagte er.

Blomberg“, sagte ich. „Brauchst du noch Garn?“ Er wurde rot und schwieg.

It was just getting light as we reached the German border: to the left a broad river; on the right a forest whose depth one could even discern by its edges. It became quiet in the goods wagon. The train advanced slowly along the patched up tracks, passing shot-up houses and splintered telegraph poles. The youngster1 crouching next to me took off his glasses and carefully wiped them.

My God,” he whispered to me, “have you got the slightest idea where we are?”

Yes,” I answered2, “the river that you've just seen is called the Rhine hereabouts: the woods on the right are known as the Reichswald; and now we're coming to Cleves.”

Are you from here?”

No.” He was getting on my nerves; all night he had been driving me nuts with his reedy sixth-former voice; he'd been telling me how he'd secretly read Brecht, Tucholsky, Walter Benjamin as well as Proust and Karl Kraus: that he planned to study sociology and theology, and would help to bring about a new social order in Germany. And as we stopped at Nijmegen just as the dawn was breaking and someone said we'd soon be coming to the German border, he had nervously asked around if anyone would swap some thread for a couple of cigarette ends; and when no one had responded I had offered to rip off my collar patches – or flashes as I believe they were called – and turn them into dark green thread. I took off my tunic and watched him as he carefully removed them with a piece of tin before picking them apart and then actually beginning to stitch the officer cadet braiding around his epaulettes. I asked him whether I could best attribute his sewing to the influence of Brecht, Tucholsky, Benjamin or Karl Kraus, or whether it was the unconfessed influence of Jünger that caused him to take up the Tom Thumb dagger3 to restore his rank. He had blushed and said that he was through with Jünger, had completely finished with him. Now, as we pulled into Cleves, he interrupted his sewing and crouched next to me, Tom Thumb dagger in hand.

Cleves brings nothing to mind,” he said, “nothing at all. How about you?”

Yes,” I answered, “Lohengrin, the margarine brand 'Swan in the Blue Riband' and Anne of Cleves, one of the wives of Henry the eighth.”

Lohengrin!” he answered, “of course – but we ate 'Sanella' at home. Don't you want the cigarette butts?”

No.” I said, “keep them for your Dad. I hope he thumps your ear when you turn up at the house with those braids on your shoulders.”

You don't understand it:” he said, “Prussia, Kleist, Frankfurt/Oder, Potsdam, Prince von Homberg, Berlin.”

Well,” I said, “I believe Cleves was already Prussian pretty early on – and somewhere over there on the other side of the Rhine there's a little town called Wesel”.

God, yes!” he said, “Schill – of course.”

The Prussians never really made it over the Rhine;” I went on, “they only ever established two bridgeheads: Bonn and Koblenz.”

Prussia”, he said.

Blomberg”, I answered. “Do you need any more thread?” He reddened and fell silent.

Translator's Notes:

  1. Böll's phrase 'der kleine' could be rendered literally as 'the little one' or perhaps as 'the little chap/bloke/fellow etc. However it is clear from the further context that it is the person's inexperience and unperturbed idealism that stands in stark contrast to the narrator's more jaded frame of mind, so I have used 'youngster' in the English rendition to emphasise this difference.

  2. Böll's prose at this point in the story is fairly repetitive and his frequent use of 'sagte ich', 'sagte er' etc., whilst it works fairly well in German, does seem more than a little bland if translated literally as 'I said', 'he said' etc., in the English rendition. I have therefore taken the liberty of varying it slightly when it seemed appropriate to do so. This is a matter of taste and is the sort of thing that I would ordinarily discuss with a living author or alternatively with the commissioning editor.

  3. Böll coins a whimsical phrase here to refer to the needle wielded by his idealistic young comrade. His 'des Däumerlings Waffe' – literally 'Tom Thumb's-' or perhaps 'Thumbling's weapon' is in keeping with the military setting and the youthful keenness of his companion's ridiculous wish to present himself at home in all of his military splendour, but it seems slightly forced in English. I think 'Tom Thumb's dagger' rolls off the tongue with slightly more ease.

Excerpt from: Der Weg Ohne Ende, by Johannes Mario Simmel (1924-2009) from the anthology Begegnung im Nebel

Source Text – Deutsch – 350 words

Target Text – English – 362 words

Vor ein paar Tagen ist in meinem Haus, hier in der Heide, ein Mensch gestorben. Ich kannte ihn nicht, nie zuvor war er mir begegnet, und aus seinem Leben erfuhr ich nur, was er im Fieber erzählte, denn er kam schon als Kranker zu mir. Beinahe zwei Wochen lag er in diesem Raum, phantasierte, verfiel und erkämpfte sich unter Schmerzen und wirren Träumen seinen mühsamen Tod. Ich pflegte ihn, doch es gelang mir nicht, ihn zu retten. Gestern habe ich ihn begraben.

Er liegt unter einem Hügel, der sich aus der Ebene erhebt und der bewachsen ist mit Farren, Anemonen und Rispengras. Das Grab schaufelte ich so, daß es der Richtung nach längs des Weges liegt, der durch die Heide läuft, von Westen nach Osten. Sein Haupt bettete ich nach Sonnenuntergang, wie er es gewünscht hatte, indem er sagte, er wolle dem Morgen entgegensehen.

Es war dies weder mein erstes Begräbnis noch der erste Mensch, den ich sterben sah, ohne ihm helfen zu können. Denn wir sind alte Rivalen: der Tod und ich.

Medizinisch gesehen handelte es ich um den letalen Ausgang einer akuten Infektionskrankheit: Typhus. Die Widerstandsfähigkeit gegen diese Krankheit ist individuell sehr verschieden, es gibt Menschen, die, wenn sie die primäre Krankheit eben noch überstehen, lebenslangem Siechtum verfallen durch folgende Leiden wie Lungen-, Herzmuskel- oder Knochenmarkentzündung, und es gibt andere, die Typhusbakterien in Mengen beherbergen, ohne selbst auch nur zu erkranken.

Der 36jährige Robin Guiscard – ich entnehme Alter und Namen den Dokumenten des Verstorbenen – gehörte nicht zu diesen. Von schlechtem Allgemeinbefinden, verbraucht und müde, wäre sein Fall in die Rubrik jener letalen 12 bis 15 Prozent einzutragen, welche die Statistik als Grenzforderung des Todes erkannt hat. Robin Guiscard starb. Er starb trotz meiner vielfachen Versuche, sein Leben zu bewahren, trotz Chinin und Antipyrin, trotz äußerster Sauberkeit und aller Diäten, trotz meiner Devotion vor den überkommenden Heilmethoden der Literatur. Er starb zuletzt, nachdem er durch Tage in einem entsetzlichen Ringen um die Erhaltung seines Lebens gelegen war, ohne Protest, fast wie zufrieden mit einem Ausweg, der sich für ihn ergeben hatte, beinahe glücklich, in der Tat beruhigt.

A few days ago a person died in my house, here on the heath. I did not know him, had never met him before, and of his life's story I only gathered as much as he blurted out in his delirium, as he had already been sick when he came to me. He lay in this room for nearly two weeks, fantasising, declining and fighting his way through pain and confused dreams to his laborious death. I nursed him but I could not save him. I buried him yesterday.

He is lying under a hillock rising out of the plain covered in ferns, anenomes and meadow-grass. I dug the grave parallel with the track that cuts across the heath from East to West. In accordance with his wishes I positioned his head towards the sinking sun; he had said he wanted to lie facing the morning.

This was neither my first burial nor the first time I had seen a person die without being able to help him. For we are old rivals; death and I.

From the medical perspective it was the fatal result of an acute contagion: typhus. The ability to survive this illness is individually highly variable. There are those who, having only just survived the primary infection, subsequently succumb to chronic complications like inflammations of the lungs, heart, or bone marrow; and others who harbour millions of typhus bacteria without themselves ever falling ill.

The 36 year old Robin Guiscard – whose name and age I gleaned from his documentation – was not one of these. Of feeble constitution, worn out and tired, his belongs in the category of the 12 to 15 percent of fatal cases, recognised statistically as death's minimum toll. Robin Guiscard died. He died in spite of my many attempts to preserve his life; despite quinine and antipyrin; regardless of spotless hygiene and all the diets; despite my genuflection1 before the traditional remedies of the medical literature. He died in the end, after having lain for days in an appalling struggle for his life, without protest, almost at peace with the way out that had opened up for him, almost happy; calm in fact.

Translator's Notes:

  1. The use of the German word 'Devotion' conjures up a feeling of quasi religious reverence for the traditional medical literature. I might have rendered this as 'prostration' or 'kowtowing' but these seemed a bit strong.

Excerpt from: Drei Männer im Schnee, by Erich Kästner (1899-1974) published in 1934

Source Text – Deutsch – 335 words

Target Text – English –377 words

Dienstboten unter sich und untereinander

Machen Sie nicht soviel Krach!“ sagte Frau Kunkel, die Hausdame. „Sie sollen kein Konzert geben, sondern den Tisch decken.“

Isolde, das neue Dienstmädchen, lächelte fein.

Frau Kunkels Taftkleid knisterte. Sie schritt die Front ab. Sie schob einen Teller zurecht und zupfte an einem Löffel. „Gestern gab es Nudeln mit Rindfleisch“, bemerkte Isolde melancholisch. „Heute weiße Bohnen mit Würstchen. Ein Millionär sollte eigentlich einen eleganteren Appetit haben.“

Der Herr Geheimrat ißt, was ihm schmeckt“, sagte Frau Kunkel nach reiflicher Überlegung.

Das neue Dienstmädchen verteilte die Mundtücher, kniff ein Auge zu, das getroffene Arrangement zu überprüfen, und wollte sich entfernen.

Einen Augenblick noch!“ meinte Frau Kunkel. „Mein Vater, Gott hab' ihn selig, pflegte zu sagen: 'Auch wer morgens dreißig Schweine kauft, kann mittags nur ein Kotelett essen.' Merken Sie sich das für Ihren ferneren Lebensweg! Ich glaube kaum, daß Sie sehr lange bei uns bleiben werden.“

Wenn zwei Personen dasselbe denken, darf man sich etwas wünschen“, sagte Isolde verträumt.

Ich bin keine Person!“ rief die Hausdame. Das Taftkleid zitterte.

Dann knallte die Tür.

Frau Kunkel zuckte zusammen und war allein. - Was mochte sich Isolde gewünscht haben? Es war nicht auszudenken!

Das Gebäude, von dessen Speisezimmer soeben die Rede war, liegt an jener alten, ehrwürdigen Allee, die von Halensee nach Hundekehle führt. Jedem, der die Straße auch nur einigermaßen kennt, wird die Villa aufgefallen sein. Nicht weil sie größer wäre, noch feuervergoldeter und schwungvoller als die anderen.

Sie fällt dadurch auf, daß man sie überhaupt nicht sieht.

Man blickt durch das zweihundert Meter lange Schmiedegitter in einen verschneiten Wald, der jegliche Aussage verweigert. Wenn man vor dem von ergrauten Steinsäulen flankierten Tore steht, sieht man den breiten Fahrweg und dort, wo er nach rechts abbiegt, ein schmuckloses, freundliches Gebäude: das Gesindehaus.

Hier wohnen die Dienstmädchen, die Köchin, der Chauffeur und die Gärtnersleute. Die Villa selber, die toten Tennisplätze, der erfrorene Teich, die wohltemperierten Treibhäuser, die unterm Schnee schlafenden Gärten und Wiesen bleiben unsichtbar.

Servants together and alone

Don't make so much noise!” said Mrs. Kunkel, the housekeeper. “You're meant to be setting the table, not giving a concert”.

Isolde, the new maid, smiled thinly.

Mrs Kunkel's taffeta dress rustled. She march up and down the front. She nudged a plate into position and plucked at a spoon. “Beef and noodles Yesterday;” remarked Isolde dolefully, “haricot beans and sausages today. You'd think a millionaire would have a more refined appetite.”

His honour1 eats whatever he likes”, said Mrs Kunkel after much consideration.

The new maid distributed the napkins, shut one eye to check the arrangement, and made to leave.

Just a moment!” said Mrs Kunkel. “My father, God rest his soul, used to say: 'even them as buy thirty pigs in the morning, can only eat one chop for lunch'. Bear that in mind as you go through life. I hardly believe you'll be with us much longer”.

When two people think the exact same thing you can make a wish”, said Isolde dreamily.

I am not people!” the housekeeper bellowed. The taffeta dress quivered.

Then the door slammed.

Mrs Kunkel winced and stood alone. What might Isolde have wished for? It did not bear thinking about!

The building, the dining room of which was the scene of the foregoing discussion, is situated on that respectable old avenue that leads from Halensee to Hundekehle. Anyone, even slightly acquainted with the street, will have noticed the villa. Not because it is bigger or has more panache or is more gilt edged than the others.

It is noticeable in as much as one does not see it at all.

One peers through the two hundred meter long wrought iron fence into a snowy forest that provides no clues whatsoever. Standing in front of the gate, flanked as it is by faded stone pillars, one sees a broad driveway and there, where it curves round to the right, a plain, friendly building: the servants' quarters.

The maids, the cook, the chauffeur and the gardeners all live here. The villa itself, the deserted2 tennis courts, the frozen pond, the carefully heated3 greenhouses, the gardens under their blanket of snow and the meadows, remain hidden from view.

Translator's Notes:

  1. The actual translation of Geheimrat is privy councillor, however for the past several hundred years it has been used as a non specific honorific title with no English equivalent. The plot of this novel revolves around the fact that the Geheimrat in question is a millionaire, not that he bears this particular honorific title. I have therefore used 'his honour' as a similarly non specific title but other possibilities certainly exist.

  2. The German original referred to 'dead tennis courts' but that seems a bit gloomier and more final in English than I think was the author's intention.

  3. The German wohltemperiert has overtones of being finely tuned or carefully adjusted, but with the exception of those familiar with J.S. Bach's Das Wohltemperierte Klavier, most English readers would probably miss the significance of this, which is why I opted for the simpler 'carefully heated'.

Excerpt from: Ich denke oft an Piroschka, by Hugo Hartung (1902-1972) published in 1954

Source Text – Deutsch – 397 words

Target Text – English – 463 words

Das Rosinenmädchen

Ich denke oft an Piroschka. Oft höre ich ihre Stimme, nachts: „Kérem, Andi! mach Sígnal!“, und meine, ihre drollige Stirnlocke an meinem Gesicht zu spüren. Aber dann werde ich wach …

Wie es dazu kam – das freilich kann ich nicht in jedem Traum wiederholen. Es ist eine zu lange Geschichte. Doch einmal muß sie erzählt werden. Inzwischen hat sich ja so viel geändert da unten in Ungarn. Vielleicht hat Piroschka selbst wieder eine Piroschka, die heute so alt ist, wie sie damals gewesen ist. Ich darf es jetzt erzählen – alles! Ganz von Anfang an. - So hat es begonnen:

Die Julisonne glühte, und Reiher stiegen aus dem Schilf zu dem fast schmerzhaft leuchtenden Himmelsgewölbe auf. Die 'Kommilitonen' – ich haßte dieses gespreizte Wort – saßen drunten im Speisesaal und spielten Skat, weil einer aus seinem Reiseführer vorgelesen hatte, die Stromstrecke sei hier auf einige Hundert Kilometer ziemlich langweilig. Langweilig – diese Landschaft des letzten Schöpfungstages: mit Himmel, Wasser, Schilf und Vogelschwingen …

Wir lagen auf Liegestühlen an Deck, die ziemlich dicht beieinander standen. Am Bug saßen auf Klapphockern deutsche Touristen, eine kleine Reisegesellschaft. Ihre männlichen Teilnehmer trugen hellblaue, etwas verschrumpelte Leinenjacketts. Leicht gezogen und hitzematt begann die Gesellschaft zu singen: 'Warum ist es am Rhein so schön?'

Das verdroß mich. Ich wollte nicht wissen, warum es am Rhein so schön sei, solange ich auf der Donau fuhr. Aus meiner halb sitzenden Stellung legte ich mich lang zurück – der Liegestuhl war auf die unterste Kerbe eingestellt -, um nur noch die blaue Unendlichkeit über mir zu haben. Es war aber noch etwas anderes über mir. Ein spitzer, modischer Damenabsatz stieß mich ein wenig gegen den Hinterkopf. Ich sagte: „Pardon“, obwohl ich an diesem Zwischenfall eigentlich unschuldig war, wandte meinen Kopf leicht nach oben und sah ein verwirrend anmutiges Bein, das eilig zurückgezogen wurde.

Angesichts der Internationalität des Reisepublikums – man hörte Englisch, Ungarisch, Tschechisch außer der Sprache der Rheinsüchtigen Landsleute – kam mir mein Ausdruck vorzüglich gewählt vor. Ich dachte an die Ratschläge, die Vater mir beim Abschied gegeben hatte: im Ausland die Mitte des Verhaltens, gleich entfernt von Anmaßung und Servilität, zu wahren. Das anmutige Bein hatte zwar nicht geantwortet, aber es würde meine gebildete Entschuldigung verstanden haben. Die Bugbesatzung stimmte 'Zu Mantua in Banden' an. Das hatte noch mehr Strophen als die Rheinfrage. Ach Gott, wie singt ihr schlecht!

The Raisin Girl

I often think about Piroschka. I often hear her voice at nights: “Kérem, Andi! Do the Sígnal!“, and can almost feel her funny little forelock on my face. But then I wake up ...

How it got to that – that, of course, is something that I cannot repeat in every dream. The story is too long. And yet, it has to be told at some point. So much has changed down in Hungary in the meantime. Piroschka might have her own little Piroschka these days, about the same age now, as she herself was at that time. Now I can tell it – everything! Right from the start. This is how it began:

The July sun was beating down, while herons ascended from the reeds towards the almost painfully luminous canopy that was the sky. My fellow 'scholars' – I hated that pompous word – were sitting in the mess below decks playing cards, because one of them had read aloud from his tourist guide that this stretch of river was pretty boring for the next few hundred kilometres. Boring! This landscape, minted on the final day of creation1: with sky, water, reeds and bird wings ...

We were lounging on deck in closely packed deckchairs. A group of German tourists, travelling together, were sitting on folding chairs at the prow, the men in light blue, crumpled linen jackets. Wilting in the heat, the group lapsed into a slow, lingering rendition of: 'Why is it so Beautiful on the Rhine?'

That annoyed me. As long as I was sailing down the Danube I had no wish to know why it was so beautiful on the Rhine. From my half sitting position I leaned right back – the deckchair was set at the lowest notch -, so that I would have nothing but blue infinity above me. But there was something else over me. I was prodded lightly in the back of the head by a pointy, fashionably high stiletto heel. “Pardon”, I said, although the incident involved no fault on my part, tilted my head slightly and glimpsed a disconcertingly graceful leg that was quickly pulled back.

My expression, I thought, seemed particularly well chosen, given the international makeup of the travelling public – one could hear English, Hungarian and Czech as well as the language of my Rhine-addicted landsmen. I remembered the advice my father had given me at our parting: when abroad, always seek the middle road between arrogance and servility. True enough the graceful leg had declined to respond, but it will certainly have understood my erudite apology. The crew in the prow launched into 'Off to Mantua with the Gang'. That had even more verses than the Rhine question. God! Your singing is awful!

Translator's Notes:

  1. To render this as 'minted on the final day of creation' might seem to be taking a bit of a liberty, but a literal translation of the German – this landscape of the last creation day – seems too clumsy in English, however well it rolls off the tongue in German.

Excerpt from: Die Nacht von Lissabon, by Erich Maria Remarque (1898-1970) published in 1964

Source Text – Deutsch – 462 words

Target Text – English – 502 words

Ich starrte auf das Schiff. Es lag ein Stück vom Kai entfernt, grell beleuchtet, im Tejo. Obschon ich seit einer Woche in Lissabon war, hatte ich mich noch immer nicht an das sorglose Licht dieser Stadt gewöhnt. In den Ländern, aus denen ich kam, lagen die Städte nachts schwarz da wie Kohlengruben, und eine Laterne in der Dunkelheit war gefährlicher als die Pest im Mittelalter. Ich kam aus dem Europa des zwanzigsten Jahrhunderts.

Das Schiff war ein Passagierdampfer, der beladen wurde. Ich wußte, daß es am nächsten Abend abgehen sollte. Im harten Schein der nackten elektrischen Birnen wurden Ladungen von Fleisch, Fisch, Konserven, Brot und Gemüse verstaut; Arbeiter schleppten Gepäck an Bord, und ein Kran schwang, Kisten und Ballen so lautlos herauf, als wären sie ohne Gewicht. Das Schiff rüstete sich zur Fahrt, als wäre es eine Arche zur Zeit der Sintflut. Es war eine Arche. Jedes Schiff, das in diesen Monaten des Jahres 1942 Europa verließ, war eine Arche. Der Berg Ararat war Amerika, und die Flut stieg täglich. Sie hatte Deutschland und Österreich seit langem überschwemmt und stand tief in Polen und Prag; Amsterdam, Brüssel, Kopenhagen, Oslo und Paris waren bereits in ihr untergegangen, die Städte Italiens stanken nach ihr, und auch Spanien war nicht mehr sicher. Die Küste Portugals war die letzte Zuflucht geworden für die Flüchtlinge, denen Gerechtigkeit, Freiheit und Toleranz mehr bedeuteten als Heimat und Existenz. Wer von hier das Gelobte Land Amerika nicht erreichen konnte, war verloren. Er mußte verbluten im Gestrüpp der verweigerten Ein- und Ausreisevisen, der unerreichbaren Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen, der Internierungslager, der Bürokratie, der Einsamkeit, der Fremde und der entsetzlichen allgemeinen Gleichgültigkeit gegen das Schicksal des einzelnen, die stets die Folge von Krieg, Angst und Not ist. Der Mensch war um diese Zeit nichts mehr; ein gültiger Paß alles.

Ich war nachmittags im Kasino von Estoril gewesen, um zu spielen. Ich besaß noch einen guten Anzug, und man hatte mich hineingelassen. Es war ein letzter, verzweifelter Versuch gewesen, das Schicksal zu bestechen. Unsere portugiesische Aufenthaltserlaubnis lief in wenigen Tagen ab, und Ruth und ich hatten keine anderen Visa. Das Schiff, das im Tejo lag, war das letzte, mit dem wir in Frankreich gehofft hatten, New York zu erreichen; aber es war seit Monaten ausverkauft, und uns hätten, außer der amerikanischen Einreiseerlaubnis, auch noch über dreihundert Dollar Fahrgeld gefehlt. Ich hatte versucht, wenigstens das Geld zu bekommen, in der einzigen Art, die hier noch möglich war – durch Spielen. Es war sinnlos gewesen, denn selbst wenn ich gewonnen hätte, hätte immer noch ein Wunder geschehen müssen, um auf das Schiff zu kommen. Doch auf der Flucht und in Verzweiflung und Gefahr lernt man, an Wunder zu glauben; sonst würde man nicht überleben.

Ich hatte von den zweiundsechzig Dollars, die wir noch besessen hatten, sechsundfünfzig verloren.

I stared at the ship. Gaudily lit up, it was lying some way off the quay, in the river Tejo. Although I had been in Lisbon for a week, I still was not used to the carefree light of this city. The towns in the countries from which I had come were as black as mine shafts at nights, and a lamp in the dark was more dangerous than the plague in the Middle Ages. I had come from twentieth century Europe.

The ship was a passenger steamer that was being loaded up. I knew that it was supposed to depart on the following evening. A cargo of meat, fish, tinned foods, bread and vegetables was being stowed under the stark glare of naked electric lights. Workers were carrying luggage on board and a crane hoisted crates and bales as quietly as if they were weightless. The ship was preparing for its voyage as if it were an ark at the time of the Biblical flood. It was an ark. Every ship that set off from Europe during these months in the year 1942 was an ark. Mount Ararat was America and the waters were rising daily. Germany and Austria had already been submerged for a long time and in Poland and Prague the flood was knee-deep; Amsterdam, Brussels, Copenhagen, Oslo and Paris had already sunk in it; Italy's towns stank of it, and Spain was no longer safe. The coast of Portugal was the last haven for the refugees, for whom justice, liberty and tolerance meant more than home and livelihood. Anyone who could not reach America, the promised land, from here, was lost. He would bleed dry in the tangle of refused entry and exit visas, unattainable work and residence permits, internment camps, bureaucracy, loneliness, alienation1 and the appalling general indifference to the fate of the individual, which always follows in the wake of war, fear and adversity. At that time a human being meant nothing; a valid passport everything.

I had been gambling at the Casino in Estoril that afternoon. I still owned a decent suit and they had let me in. It had been a final desperate attempt to bribe fate. Our Portuguese residents' permits would elapse a few days later and Ruth and I had no other visas. Back in France, the ship now at anchor in the Tejo, was the last with which we had hoped to reach New York; but it had been booked up for months and, apart from American entry visas, we also lacked the three hundred dollar fare. I had at least tried to get the money in the only way still possible here – gambling. It was senseless; even if I had won, it would still have taken a miracle to get aboard the ship. Yet on the run, in desperation and danger, you learn to believe in miracles; you would not survive if you did not.

Of the sixty two dollars we had still owned, I had lost fifty six.

Translator's Notes:

  1. Alienation is not the correct translation for die Fremde, which in the current context could perhaps be translated as 'the unknown'. To use that translation in this sentence however would break up the flow and 'alienation' works very well rhythmically and fits with the context.

Excerpt from: Oberst von Steuben - des großen Friedrich Adjutant, by Albert Emil Brachvogel (1824-1878) published in ?

Source Text – Deutsch – 421 words

Target Text – English – 473 words

Bei Treptow

Am Abend des 20. Oktober 1791 saß im ehemals herzoglichen Schloß zu Treptow an der Rega der preußische General von Knobloch mit den Herrn seines Stabes und dem Oberst Koch, Stadtkommandant von Treptow und Chef des dortigen Infanterieregiments, beisammen. Der dichte Rauch ihrer kurzen holländischen Pfeifen und der kräftige Duft einer Grogbowle erfüllten das dreifenstrige getäfelte Zimmer. Aber Rauchen und Trinken waren an diesem unfreundlichen Herbstabend für die fünf Herren nur eine mechanische Beschäftigung, an der das Bewußtsein keinen Anteil hatte. Alle ihre Gedanken galten der vom General geleiteten Besprechung der militärischen Lage und der auf dem Tisch zwischen ihnen ausgebreiteten Karte des Geländes um die Festung Kolberg und befestigte Hafenstädtchen Treptow. Mittels dieser erläuterte der Generalstabsoffizier Leutnant Friedrich von Steuben die augenblicklichen Stellungen von Freund und Feind.

Es war etwa anderthalb Jahre vor Beendigung des siebenjährigen Ringens Friedrichs des Großen gegen die gewaltigsten Nationen des europäischen Kontinents. Die Sache Preußens stand in jenem Herbst sehr schlecht. Härter als je zuvor wurde König Friedrich von der Übermacht seiner mächtigen Gegnerinnen bedrängt - der „drei Unterröcke“, wie er spottend zu sagen pflegte. Gefährlicher noch als Maria Theresia mit dem deutschen Reichsheer und die Truppen des von der ehrgeizigen Madame de Pompadour beherrschten schwachen Königs Ludwigs XV. von Frankreich war für Preußen die russische Zarin Elisabeth mit ihrem fanatischen Preußenhaß, dem die unerschöpflichen Hilfsquellen des riesigen Rußland zu Gebote standen. Abgesehen von den anderen russischen Streitkräften, die Preußen bedrohten, war im Spätsommer eine starke russische Flotte unter dem Grafen Romanzow vor Kolberg erschienen und hatte ein großes Belagerungskorps von etwa 16.000 Mann gelandet. Man munkelte aber, die russische Flotte hätte im ganzen 25.000 Mann mitgebracht, von denen 9.000 auf den Schiffen zurückgeblieben seien, um je nach Gelegenheit an irgendeinem günstigen Punkte zwecks eines Ablenkungsmanövers zu landen, womit dann die russische Übermacht dort verhängnisvoll geworden wäre.

Um diese zweite Landung zu verhindern, war von den Truppen des Generals von Platen die Brigade des Generals von Knobloch in das kleine, schwach befestigte Hafenstädtchen Treptow abkommandiert worden. Außerdem aber hatte sie noch eine andere schwere Aufgabe: mit seinen wenigen Truppen in Gesamtstärke von 2.000 Mann Infanterie und Kavallerie sollte der General auch die Lebensmittelzufuhr für die Kolberg an der Landseite deckenden Truppen des Generals von Platen und des Prinzen Eugen von Württemberg schützen. Da die nächste Umgebung längst ihr Letztes hergegeben hatte und man das Notwendige weither beschaffen mußte, so war der General von Knobloch gezwungen, seine Abteilung in immer dünneren, längeren Linien auseinanderzuziehen, wobei natürlich Treptow nicht ohne genügenden Schutz bleiben durfte.

Near Treptow

On the evening of the 20th of October 1791 the Prussian General von Knobloch was sitting in the palace and former ducal residence at Treptow on the Rega together with his staff officers and Colonel Koch, town governor of Treptow and chief of the local infantry regiment. The three windowed, panelled room was filled with the thick smoke from their short Dutch pipes and the strong aroma of a grog-punch. But smoking and drinking were nothing more than an unconscious mechanical activity for the five men on this inclement Autumn evening. Their attention was riveted by the General's exposition of the military situation, and the map of the terrain around the stronghold of Kolberg and the fortified seaport of Treptow, that was spread out on the table between them. General staff officer Lieutenant Friedrich von Steuben was using it to explain the current positions of friend and foe.

It was about a year and a half before the end of Friedrich the Great's seven year struggle against the most powerful nations of the European continent. The Prussian cause looked precarious that Autumn. King Friedrich was being pressed harder than ever before by his all-powerful female adversaries – the 'three petticoats', as he mockingly liked to say. Even more dangerous for Prussia than Maria Theresia with the imperial German army, and the troops of the weak King Louis XV of France, who was under the control of the ambitious Madame de Pompadour, was the Russian Tzarina Elizabeth with her fanatical Prussian-hatred to which she could commit the inexhaustible resources of the gigantic Russia. Apart from the other Russian forces threatening Prussia, a powerful Russian fleet commanded by Count Romanzov had appeared off Kolberg in late Summer and landed a siege force of 16,000 men. It was rumoured however that the Russian fleet had brought a total of 25,000 men of whom 9,000 had stayed on board the ships to be landed as a feint at some favourable spot should the opportunity arise, whereby the Russian superiority in that area would have become fatal.

General von Knobloch's brigade had been redeployed from General von Platen's forces to the small, weakly fortified seaport of Treptow, to prevent this second landing. But in addition to that they had another difficult task: with his handful1 of troops of a combined strength of 2,000 infantry and cavalry, the General was required to protect the food supply lines for General von Platen's and Prince Eugen von Württemberg's forces, which were covering the land approach to Kolberg. As the resources of the immediate area had long ago been used up, so that the necessary materials had to be procured over a great distance2, General von Knobloch was continually forced to stretch his division in narrower and longer lines, whereby of course Treptow could not be left without sufficient protection.

Translator's Notes:

  1. The literal translation for the German “mit seinen wenigen Truppen” would be “with his few troops” but my rendering “with his handful of troops” sounds more English to me.

  2. Weither” really means “from a long way away” but again this sounded a bit stilted for my tastes.




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